"Hamburg ist und bleibt die deutsche Medienstadt" HA + WELT 09.08.2013

Heute Abend wird es eng auf dem Süllberg: Mehr als 1000 Medienschaffende, darunter die Entscheider der Branche, feiern gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur die „Lange Nacht der Medien“. Veranstalter ist der Hamburger Presseclub, in dessen Vorstand seit nun exakt 20 Jahren Klaus Ebert (langjähriger RTL-Nord Chef, heute Medienberater) als Präsident, sein Vize Thomas Osterkorn (Herausgeber „Stern“ und dort lange als Chefredakteur tätig) und Medienunternehmer Frank Otto als Schatzmeister aktiv sind. Das Hamburger Abendblatt sprach mit Ebert und Otto über die Idee der Veranstaltung und den Wandel der Medienbranche.

Hamburger Abendblatt: Heute Abend feiern die Hamburger Medienmacher wie jedes Jahr im August die „Lange Nacht der Medien“ auf dem Süllberg. Gibt es denn etwas zu feiern?

Klaus Ebert: Natürlich ist vieles derzeit im Umbruch, aber die Medienbranche ist dennoch sehr lebendig und wird es auch bleiben. 72.000 Menschen arbeiten für ganz unterschiedliche Unternehmen, vom Großkonzern bis zur kleinen Agentur. Hamburg ist und bleibt die Medienstadt Deutschlands und, die Branche hat eine enorme Bedeutung auch für die Wirtschaftskraft, vergleichbar mit dem Hafen. Das darf auf jeden Fall gefeiert werden. Wir sind eigentlich in Zeiten des Aufbruchs.

Frank Otto: Vor rund zehn Jahren hieß es, die Musikstadt Hamburg würde verschwinden, weil einige Unternehmen nach Berlin gegangen sind. Heute arbeiten hier bei uns mehr Menschen in der Musikbranche als seinerzeit – damals sind nämlich zwar die Unternehmen gegangen, aber die Leute sind größtenteils hier geblieben und haben etwas Neues aufgebaut, das auch Erfolg hat. Und wenn man sich die Neugründungen journalistischer Publikationen grade der letzten Jahre ansieht, dann weiß man, dass Hamburg auch als Medienstadt seine beste Zeit noch vor sich hat.

 

Veranstaltet wird die Mediennacht vom Hamburger Presseclub, in dessen Vorstand Sie beide seit exakt 20 Jahren sitzen. Was war damals ihre Motivation, sich hier zu engagieren?

Frank Otto: Den Club gibt es ja schon sehr viel länger, seit jetzt 43 Jahren. Aber Anfang der 90er-Jahre hatte er nur noch gut 200 Mitglieder und kein echtes Angebot an die Journalisten. Das wollten wir ändern und haben mit einigen Kollegen aus ganz unterschiedlichen Verlagshäusern zur Überraschung des damaligen Vorstandes die Jahreshauptversammlung besucht und uns zur Wahl gestellt – und dann gegenseitig auch gewählt.

 

Sie sind also Putschisten!

Klaus Ebert: Nun ja, auf jeden Fall war die Überraschung groß und der Coup gelungen.

 

Was waren oder sind Ihre inhaltlichen Ziele?

Klaus Ebert: Die Branche lebte und lebt doch stark vom Netzwerk-Gedanken. Damit meine ich nicht Karriere an der Theke, sondern den Austausch, das Kennenlernen, das Ideenschmieden. Dazu wollten wir einen Beitrag leisten und haben die „Nacht der Medien“ erfunden. Heute sind die Verlagshäuser untereinander gut vernetzt, die Kollegen kennen sich oft gut. Das war nicht immer so. Wer bei Springer oder beim Spiegel Verlag arbeitete, wollte mit denen von Bauer oder Gruner nicht unbedingt etwas zu tun haben – und andersherum. Die haben den Bürgersteig gewechselt, wenn sie aufeinander trafen. Vieles war damals auch politisch geprägt. Der NDR und die aufkommenden privaten Sender waren noch einmal ein Kapitel für sich. Ich glaube, der Presseclub hat schon einen guten Beitrag dazu geleistet, die Grenzen zu überwinden, die Branche zusammenzuführen und Hamburg als eine gemeinschaftliche Medienstadt erlebbar zu machen. Heute haben wir übrigens mehr als 1000 Mitglieder und sind der größte Presseclub Deutschlands.

 

Werden hier Karrieren geschmiedet?

Frank Otto: Jedenfalls ist es wohl nirgends sonst so einfach, schnell mit den führenden Journalisten ins Gespräch zu kommen. In unserem derzeitigen Vorstand sitzen 15 der Top-Medienentscheider der Stadt, die auch sehr rege am Clubleben teilnehmen. An zehn Abenden im Jahr gibt es exklusive Gesprächsrunden mit sehr prominenten Gästen – zuletzt waren Thomas Gottschalk und Günter Jauch da, aber wir hatten auch schon Angela Merkel oder Gerhard Schröder – die immer mit einem Get-Together enden. Da sind alle ansprechbar. Und wir machen Ausflüge in die Medienhäuser mit exklusiven Führungen, zuletzt gerade auch zu den neuen Medien, um auch Google & Co. einzubeziehen. Wir schauen gemeinsam über den Tellerrand – das ist ein echter Mehrwert, den wir bieten können.

 

Wieso kommen diese Medienmacher und Politiker aus ganz Deutschland zu so einem Clubabend, über die ja nicht einmal berichtet werden darf, weil alles „off records“ ist?

Klaus Ebert: Zunächst einmal hat irgendjemand aus dem Vorstand immer einen guten Kontakt, um die möglichen Gäste direkt ansprechen zu können. Und für die ist es interessant, vor und mit so vielen Journalisten in diesem informellen Rahmen sprechen zu können. Es hat sich herumgesprochen, dass das Diskussionen auf hohem Niveau sind. Diese Abende sind zu unserem Markenzeichen geworden, die gibt es sonst nirgendwo in Deutschland.

 

Ihnen ist es gelungen, dass der Presseclub als Berufsverband anerkannt wurde.

Frank Otto: Ja, das war uns wichtig, denn wir wollen auch gerade den jungen Journalisten helfen. Wir organisieren Förderprogramme und arbeiten eng mit der Akademie für Publizistik, aber auch mit den privaten und öffentlichen Hochschulen zusammen. Übrigens hat die Anerkennung als Berufsverband auch den Vorteil, dass die 62 Euro Jahresbeitrag für Journalisten steuerlich absetzbar sind.

 

Es sind ja aber nicht nur Journalisten Mitglied, sondern auch Vertreter der PR-Branche. Wie passt das zusammen?

Klaus Ebert: Aus unserer Sicht gut. Das sind passive Fördermitglieder, die den doppelten Beitrag zahlen und auch mit einem Sitz im Vorstand sind.

Frank Otto: Wir behandeln ja nicht die Themen der PR-Branche, dazu gibt es einen eigenen Club. Aber wir sind die Adresse, bei der man erfahren kann, wie die Medien ticken, welche Trends es gibt. Unser Augenmerk selbst liegt ganz eindeutig auf dem Journalismus.

 

Gab es in den 20 Jahren bei den vielen Veranstaltungen auch lustige Momente?

Klaus Ebert: Na ja, aus heutiger Sicht sind einige vielleicht lustig. Einmal haben wir die „Nacht der Medien“ auf der anderen Elbseite gefeiert, als die Fahrt mit der Barkasse zurück anstand, war der Kapitän betrunken. Da sind viele auf die Hadag-Fähre umgestiegen, die dann aber einen Motorschaden bekam und zwei Stunden lang auf der Elbe trieb. Und dann war da noch Udo Jürgens, der sehr nervös war, als Gaststar vor so vielen Journalisten zu spielen. Bei der Probe ließ er die Lautstärke zu gering auspegeln – als der Saal dann gefüllt war, hörte man ihn nur in den vorderen Reihen. Wie Journalisten nun mal sind, fingen sie dann gleich an, im hinteren Saalbereich zu quatschen, Jürgens war kaum noch zu hören. Er ist dann total sauer in sein Hotelzimmer gestapft.

 

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